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Klinik-Knigge: Tipps für Besucher

Angehörige sind in Krankenhäusern zunehmend willkommen – sogar auf der Intensivstation. Auf einige Punkte sollte man bei einem Besuch aber achten
von Ute Essig, 21.10.2016

Krankenhausaufenthalt: Die Arztvisite ist wichtig, aber auch, dass Angehörige die Patienten besuchen

Thinkstock/iStockphoto

Besuche nur zwischen 14 und 16 Uhr? Und dann bitte möglichst unsichtbar bleiben und dem Pflegepersonal nicht mit unangenehmen Fragen die Zeit stehlen? Strenge Regelungen – ob ausgesprochen oder unterschwellig – gehören in vielen Krankenhäusern zum Glück der Vergangenheit an. Gelockerte Besuchszeiten tragen nicht nur der Lebenswirklichkeit berufstätiger Angehöriger Rechnung. Pflegekräfte und Ärzte sehen in wichtigen Bezugspersonen ihrer Patienten heute keine Störfaktoren mehr, sondern Teampartner.

Sogar auf Intensivstationen werden sie als Bestandteil der Pflege betrachtet. "Angehörige unterstützen den Heilungsprozess", sagt Anja Lorenz, Fachkrankenschwester für Intensivpflege und am Klinikum rechts der Isar in München zuständig für die Fort- und Weiterbildung von Intensiv- und Anästhesiepflegekräften. Sie steigern das Wohlbefinden der Patienten und bilden eine wichtige Informationsquelle.

Besuche von Angehörigen wirken wie Medikamente

Dr. Angelika Zegelin, die als Pflegewissenschaftlerin viele Jahre an der Uni Witten/Herdecke tätig war, spricht sogar vom "Medikament Angehöriger". So haben Untersuchungen gezeigt, dass sich die Vitalparameter der Patienten in Anwesenheit ihrer Lieben deutlich verbessern. Blutdruck und Herzfrequenz sinken. "Die Patienten werden ruhiger, fühlen sich sicherer", sagt Anja Lorenz.

Die Station, auf der sie arbeitet, ist eine von mehr als 200 in Deutschland, die mit dem Zertifikat "Angehörige jederzeit willkommen!" ausgezeichnet sind. "Das ist knapp ein Viertel aller Intensivstationen in Deutschland", sagt Angelika Zegelin. Sie entwickelte das Zertifikat mit ihren Mitarbeitern für den Verein "Pflege e.V.", der die Auszeichnung vergibt. Diese verpflichtet zur familienzentrierten Pflege – der professionellen Begleitung nicht nur des Patienten, sondern auch seiner Angehörigen.

Klinik-Knigge: Worauf Besucher achten sollten

  1. Auch wenn Sie jederzeit kommen können: Sprechen Sie mit den Pflegekräften ab, wann Sie da sein werden. So vermeiden Sie Wartezeiten.
  2. Kommen Sie alleine oder zu zweit. Größere Gruppen sind meist anstrengend: für den Patienten, die Zimmergenossen und das Pflegepersonal.
  3. Waschen Sie sich vor und nach dem Besuch gründlich die Hände. Auf der Intensivstation gelten zusätzlich oft besondere Hygieneregeln.
  4. Schalten Sie Ihr Handy im Patientenzimmer auf lautlos oder ganz aus. Falls Sie telefonieren müssen, tun Sie das außerhalb des Patientenzimmers.
  5. Sprechen Sie leise, und nehmen Sie in Mehrbettzimmern Rücksicht auf andere Patienten. Sie müssen sich oft von einer schweren Krankheit erholen.
  6. Blumen sind nicht zuletzt aus hygienischen Gründen ein problematisches Mitbringsel. Schenken Sie lieber ein Buch oder ein gerahmtes Foto.
  7. Liegt "Ihr" Patient auf einer Normalstation, können Sie mit ihm – falls es der Gesundheitszustand zulässt – auch die Cafeteria aufsuchen.

Das bedeutet zum Beispiel, dass das Pflegepersonal die Besucher begrüßt und sich die Zeit nimmt, Fragen zu beantworten, etwa zur Beatmungstechnik. "Wir sind auch gefordert, Ängste abzufangen und die Angehörigen bei Bedarf zu beruhigen", sagt Lorenz.

Besuche in Absprache mit dem Pflegepersonal

Manche Häuser haben Aufenthaltsräume, in denen sich Angehörige bei einer Tasse Kaffee erholen können. Einige Kliniken bieten sogar Übernachtungsmöglichkeiten an. Prinzipiell können Besucher tatsächlich jederzeit kommen – "um Wartezeiten durch Untersuchungen oder Pflegemaßnahmen zu vermeiden, bitte in Absprache mit dem Pflegepersonal", sagt Lorenz. "Wenn sie es wünschen, beziehen wir sie auch in die Pflege mit ein. Sie können uns bei der Körperpflege unterstützen oder wenn die Patienten mobilisiert werden." Am besten informiert man sich bereits vor der Einweisung, wie angehörigenfreundlich das jeweilige Krankenhaus ist.

"Wir befürworten, dass das ‚Medikament Angehöriger‘ bei Bedarf rund um die Uhr verfügbar ist", sagt Zegelin. Sie will sich aber auf keinen Fall missverstanden wissen. "Es geht uns nicht um möglichst viel Besuch für die Patienten oder um Unterhaltung. Sondern um die eine wichtigste Bezugsperson – oder auch zwei –, die am Bett sitzt, dem Patienten die Hand hält und mit ihm spricht." Die vertraute Stimme eines geliebten Menschen zu hören gebe Kranken Kraft. "Sie empfinden ihre Angehörigen als eine Art Wächter, der Vertrauen und Sicherheit garantiert." Er vermittelt eine wichtige Botschaft, die beim Genesungsprozess eine zentrale Rolle spielt: Jetzt wird alles wieder gut.



Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

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